Impressionen vom Monatstreffen #06 – Juni 2026 mit Dr. Dina Barbian

Am Dienstag, den 30. Juni 2026, fand im Klara unser monatliches Vernetzungs- und Austauschtreffen statt – dieses Mal mit einem besonderen Impulsvortrag von Dr. Dina Barbian (eco2050 Institut für Nachhaltigkeit, Mitglied im Klimabeirat der Stadt Nürnberg) zum Thema „Kamikatsu – Wie eine japanische Gemeinde Zero Waste lebt“.

🏘️ Kamikatsu als Vorbild

Kamikatsu, eine kleine Gemeinde in Japan mit rund 1.500 Einwohnerinnen und Einwohnern, verfolgt seit 2003 das ehrgeizige Ziel, 100 Prozent Müllvermeidung zu erreichen – und das ganz ohne Müllverbrennungsanlage oder Deponie. Bereits heute liegt die Recyclingquote bei rund 80 Prozent. Die Bürgerinnen und Bürger trennen ihre Wertstoffe in 45 verschiedene Kategorien, sodass möglichst viele Materialien wiederverwendet oder recycelt werden können.

♻️Herzstück des Konzepts ist das Zero Waste Center „WHY“. Dort werden Wertstoffe nicht nur gesammelt, sondern auch repariert, weitergegeben und kreativ wiederverwendet. Selbst Materialien, die andernorts häufig im Restmüll landen, bleiben möglichst lange im Kreislauf.

Der Vortrag machte deutlich, dass der Schlüssel zum Erfolg nicht allein in der aufwendigen Mülltrennung liegt. Entscheidend ist die dahinterstehende Haltung. Umweltbildung beginnt in Japan bereits im Kindergarten und begleitet die Menschen durch alle Lebensphasen. Müllvermeidung, Reparatur und ein bewusster Umgang mit Ressourcen sind selbstverständlicher Bestandteil des Alltags.

➡️Von Kamikatsu nach Nürnberg

In der anschließenden Diskussion waren wir uns einig, dass sich viele der vorgestellten Ansätze durchaus auf Deutschland und auch auf Nürnberg übertragen lassen. Dabei kam die Frage auf:

Ist Kamikatsu überhaupt mit einer Großstadt vergleichbar?🏙️

Dieses Argument wird häufig gegen Zero-Waste-Konzepte angeführt: „Das funktioniert vielleicht in einem kleinen japanischen Dorf – aber niemals in einer Stadt wie Nürnberg.“

🔎 Genau an dieser Stelle lohnt sich jedoch ein genauerer Blick. Nicht alle Menschen leben in Millionenstädten, denn 52% aller Gemeinden in Deutschland zählen weniger als 2000 Bewohner:innen. Viele Menschen wohnen also in Orten, deren Größe durchaus mit Kamikatsu vergleichbar ist. Und auch größere Städte kann man als Zusammenschluss mehrerer kleinerer Stadtteile mit wenigen tausend Einwohner:innen betrachten.

Ein weiterer interessanter Diskussionspunkt war die kulturelle Dimension. In Japan spielen Sauberkeit, Ordnung und der respektvolle Umgang mit gemeinschaftlichen Räumen traditionell eine wichtige Rolle. Die spannende Frage ist daher nicht, ob sich die japanische Kultur auf Deutschland übertragen lässt, sondern wie sich ähnliche Werte und Haltungen auch hierzulande fördern lassen – etwa durch Bildung, gemeinschaftliches Engagement und positive Beispiele.

Denn die Botschaft an diesem Abend war:

👉 Nicht die Größe einer Stadt entscheidet über den Erfolg von Zero Waste, sondern die Bereitschaft, gemeinsam den ersten Schritt zu gehen.

Genau dort setzen auch unsere Aktivitäten in Nürnberg an – mit Bildungsangeboten, unserem Zero Waste Entdeckungs- & ZuordnungsQuiz, Müllsammelaktionen und vielen weiteren Projekten, die zeigen: Nachhaltigkeit beginnt im Alltag.

💪Jede:r kann zu dieser Veränderung beitragen. Wenn du Lust hast, Zero Waste in Nürnberg mitzugestalten, komm zu einem unserer Monatstreffen oder bring dich bei unseren Projekten ein.

Wir freuen uns auf dich!

Das ZeroWasteNürnberg Team (est. 2017)


Spannende Eindrücke aus Kamikatsu:

Mehr Infos zu Dina: