Die Geschichte unseres Frängoroo-Brotbeutels

Manchmal lohnt es sich, die Geschichte hinter Projekten ein bißchen ausführlicher zu erzählen. Gerade bei unserem Leuchtturmprojekt, dem Frängoroo-Brotbeutel, der uns sehr am Herzen liegt.

Es begann mit einer Diplomarbeit und einem Netzwerktreffen

Im September 2017 traf sich die neu gegründete Zero Waste Nürnberg-Gruppe (damals noch unter dem Namen #ZeroWasteNUE) im Hummelsteiner Park zu ihrem „1. Zero Waste Netzwerkabend – Green Think & Do Tank“. Thomas und Frank präsentierten einen Diplomanden, der eine zentrale Frage untersuchte, und nach einer Kooperation fragte: „Wie lassen sich Einweg-Papiertüten in Bäckereien durch nachhaltige Alternativen ersetzen?“ Die Gruppe sagte sofort zu, und gewann damit nicht nur ein spannendes Projekt, sondern auch die Möglichkeit, ihre Expertise einzubringen. Gemeinsam mit dem Diplomanden begann eine intensive Recherchephase: Es wurden Materialien, Webarten und praktische Tests durchgeführt, inklusive Selbstversuchen, um den perfekten Brotbeutel zu entwickeln.

Die Lösung: Bio-Baumwolle, ein Maskottchen und ein fränkisches Känguru

Die Recherche führte das Team zu Anneliese Bunk und naturtasche.de (Stand 2025: mittlerweile leider nicht mehr aktiv), deren Bio-Baumwoll-Beutel alle Anforderungen erfüllten. Parallel entstand die Idee für ein Maskottchen, das die Kampagne prägnant machen sollte. Schnell war ein Motto gefunden: „Ein Beuteltier vergisst seinen Beutel nie!“ Da es in Franken keine Kängurus gibt, erfanden wir das „Frängaroo“ – ein fränkisches Känguru, das seinen Beutel immer dabei hat. Der Nürnberger Künstler Gymmick entwarf die Comic-Figur, die mit ihrem Beutel die Botschaft transportiert: „Sei ein Beuteltier – spar Dir die Tüte!“

Das Team formiert sich: 25 Ehrenamtliche und lokale Partner

Innerhalb weniger Wochen wuchs ein bis zu 25-köpfiges Ehrenamtsteam zusammen, das die Umsetzung organisierte:

  • 1.660 Brotbeutel wurden in drei Produktionschargen hergestellt (jeweils ca. 500 Stück), weil die Nachfrage die Erwartungen weit überstieg.
  • Anneliese Bunk (naturtasche.de) lieferte die Beutel aus 100% Bio-Baumwolle – das perfekte Material für den nachhaltigen Einsatz.
  • Für den Siebdruck gewann das Team Rainer Klemenz von RK Textil (Fürth), der den Druck kostenlos spendierte – eine entscheidende Unterstützung, ohne die das Projekt nicht realisierbar gewesen wäre!
  • Die Sparkasse Nürnberg förderte die Aktion finanziell und half, die Kampagne bekannt zu machen.
Die Umsetzung: Verteilung in Bäckereien und Tresen-Displays

Im November 2017, während der Europäischen Woche der Abfallvermeidung (EWAV), startete die Kampagne:

  • Die Beutel wurden persönlich vor 17 Nürnberger Bäckereien verteilt – samstags früh stand das Team vor den Läden, um die Beutel zu überreichen und mit Kunden ins Gespräch zu kommen.
  • Tresen-Displays auf den Verkaufstresen machten die Beutel sichtbar und luden mit dem Slogan „Kostenlos – wenn du mich öfter nutzt!“ zum Mitnehmen ein.
  • Die Aktion war so erfolgreich, dass die Beutel dreimal nachproduziert werden mussten – ein klares Zeichen für die große Resonanz in der Bevölkerung.
Der Erfolg: Auszeichnungen in München und Brüssel

2018 wurde das Projekt als „Beste Aktion zur Abfallvermeidung“ in Deutschland ausgezeichnet (1. Platz unter 1.400 Bewerbungen) und war Finalist bei den EWWR Awards in Brüssel (unter 13.410 europäischen Projekten). Die Preisverleihungen fanden statt:

  • am 16. Mai 2018 auf der IFAT in München (Preisgeld: 1.000 Euro).
  • und am 22. Mai 2018 bei der EU Green Week in Brüssel, wo das Projekt als eines der innovativsten Zero-Waste-Projekte Europas gewürdigt wurde.

Wahnsinn! Unser Brotbeutel in München und Brüssel!

Das Vermächtnis: Ein Projekt, das Gemeinschaft und Nachhaltigkeit verbindet

Das Brotbeutel-Projekt zeigt, wie lokaler Einsatz, Kreativität und Teamgeist Einwegmüll vermeiden können. Es bleibt ein Best-Practice-Beispiel für Zero Waste – und eine Erinnerung daran, dass jeder Beitrag zählt, wenn eine Gemeinschaft an einem Strang zieht. Bis heute strahlt die Kampagne als Symbol für nachhaltigen Konsum und zeigt, dass kleine Ideen große Wirkung entfalten können.

Nachtrag vom 27. August 2025:

Roland, der bei dem Projekt von Anfang an dabei war, erzählt: „Ich werde bis heute drauf angesprochen und es bewegt mich noch so wie am ersten Tag!“
Und mittlerweile hat der Frängoroo-Brotbeutel auch einen Nachfolger bekommen, den Hammerbachtaler Brotbeutel! Seine besondere Entstehungsgeschichte findest du hier.